Heute ist das Wetter besser als vorhergesagt. Wir laufen zum Intercity Bus Terminal. Das „Terminal“ ist ein Schotterparkplatz mit ein paar Ticketautomaten. Wir ergattern zwei der letzten Plätze für den sehr komfortablen Städteverbindungsbus, der von Einheimischen wie Touristen gleichermaßen genutzt wird.
Ohne Stop geht es in knapp 1 Stunde 15 Minuten sanft und ruhig in die jahrhundertealte Hauptstadt Gyeongju ca. 80km nördlich von Busan.

In Gyeongju gibt es hauptsächlich Hügelgräber, Tempel und Palastreste der Silla-Dynastie zu sehen. Während viele Hügelgräber unangetastet blieben (man hielt sie wirklich für natürliche Hügel), sind von den Palästen nur noch Reste vorhanden. Auch eine Altstadt sucht man vergebens. Wir beginnen unseren Rundgang durch die weitläufige UNESCO-Welterbestätte bei den nördlichsten Hügelgräbern in der Parkanlage Noseo-dong.
Bei vier schattigen Bänken bleiben wir stehen und verspeisen unser mitgebrachtes Baguette. Aber nicht lange ungestört: es rollt ein alter Mann auf einem Motorroller an und beäugt uns wortlos, dann taucht die zugehörige Frau auf. Aus einem Gebüsch wird ein Besen hervorgeholt und hemmungslos auch neben unseren Füssen gefegt. Stehen wir in deren Wohnzimmer? 😄 Beim Weiterziehen sehen wir noch, dass die Frau nun eine große Dose Insektenspray verwendet und Boden, Bänke und Bäume großzügig einsprüht…


Wir haben ingesamt den Eindruck, dass die Mentalität hier eher gleichgültig (auch untereinander) ist und für uns dadurch auch schon Mal unangenehm. Dabei hat SB sich doch ausgiebigst mit den kulturellen Eigenheiten beschäftigt, um nur ja nicht unangenehm aufzufallen 😄.
Weiter geht es zu der ersten Sehenswürdigkeit: dem Nachbau der großen Silla-Glocke des Königs Seondeok aus dem 8. Jahrhundert in dem pittoresken Pavillion. Das Original ist 3,75m hoch mit einem Durchmesser von 2,27m und befindet sich als Nationalschatz im Gyeongju Nationalmuseum. Die Glocke hat den Beinamen „Emille“, was soviel wie „Mutter“ bedeutet. Der Legende nach erfolgten zahlreiche Fehlgießungen der Glocke, nie ertönte daraus ein Ton. Erst als ein kleines Mädchen als Opfer (die Mutter hatte kein Geld und gab deswegen ihr Kind einem Mönch) in das geschmolzene Eisen geworfen wurde erklang die daraus gegossene Glocke. Widerliche Legende, ehrlich gesagt.


Ums Eck befindet sich die Originalbäckerei für Hwangnam Ppang. Eine süß-herzhafte Geback-Spezialität mit einer Füllung aus roten Bohnen und einem Crysanthemen Druck oben. Wir probieren: heiß und super frisch verspeisen wir dieses „Brot“. SB schmeckt es sehr gut, SL ist nicht so angetan.


Nun geht es durch den Daereungwon Hügelgrabkomplex inkl. des offenen Grabes von König Michu (das einzige zugängliche Grab).











Verpassen sollte man auch Cheomseongdae 첨성대 nicht. Ein uraltes Observatorium, das nur deswegen so niedrig ist, da es zu der damaligen Zeit nachts keinerlei Lichtemissionen und Streuungen gab.




Danach liegt die ehemalige Palastanlage Woji auf dem Weg. Es stehen nur noch drei Gebäude. Da wir zur Rückfahrt einen Bus um 18:10 gebucht haben, lassen wir dieses Ziel aus und steuern statt dessen das Nationalmuseum an.
Das Museum kostet keinen Eintritt und ist sehr modern und wirklich gut aufgebaut. Alles ist informativ präsentiert. Eine tolle Sache!







Die Zeit drängt und die Woljeonggyo Bridge möchte noch ausgiebig geknipst werden.





Nun aber schnellen Schrittes zum Intercity Busterminal! Es geht durch ein nettes Restaurantviertel mit niedrigen Häusern. Am Terminal angekommen haben wir wieder mehr als 10km „auf der Uhr“.








Zum Abendessen „verirren“ wir uns mal in ein Indisch/Indonesisches Restaurant.

