Der Jetlag lässt uns lange schlafen. Erst gegen mittags ziehen wir los – ohne Frühstück, da wir in einem der Cafés etwas zu uns nehmen wollen. Anscheinend ist Business Mittagspause, denn es ist viel los auf den Straßen und die Cafés sind voll.
Wir ziehen also weiter zum Namdaemun-Markt 남대문시장 . Es ist heiß, aber an den Fußgängerampeln kann man unter einem Schirm Schatten finden.
Wieder sehen wir die riesigen LED Werbungen an den Hochhäusern.

Der anvisierte Markt ist ein Klamotten- und Kleinkram-Markt, verteilt auf mehrere Straßen – ober- und unterirdisch und mit einem „Einkaufszentrum“ in der Mitte. Winzige Türen, alles vollgestopft, enge Gänge. Deutsche Brandschutzbeauftragte würden sich gruseln.







Es geht eng und quirlig zu, aber ein vollbepackter Lasten-Roller passt irgendwie immer noch durch.
Wir gehen auch kurz in den Untergrund zu den engen und vollgepackten Mini-Ständen, die alles bieten was man sich vorstellen kann.






Weiter geht es Richtung Namsan. Der Namsan ist ein 265m hoher Berg mitten in Seoul. Von hier hat man eine gute Aussicht über diese Riesenmetrople mit ihren rund 9,6 Millionen Einwohnern. In der Großraumregion leben insgesamt ca. 25,4 Millionen Menschen – etwas weniger als die Hälfte der Gesamtbevölkerung Südkoreas mit 51,8 Millionen Menschen (Quelle: Wikipedia).
Der Weg auf den Namsan ist steil aber sehr gut ausgebaut. Im unteren Teil ist die Straße im Winter beheizt. Die Steuerungen der Snow Melting Panels stehen direkt am Straßenrand.





Auf halber Höhe steht ein Denkmal für Koreas „Trostfrauen“. Ein unangenehm verniedlichender Begriff für die Gräuel in den japanischen Zwangsbordellen während des zweiten Weltkriegs.

Ein kurzes Stück der alten Stadtmauer ist weiter oben sichtbar. Und der Blick zum N Seoul Tower lässt erahnen, dass es nochmal schweißtreibend bergauf gehen wird.
Immer wieder gibt es Ausblicke auf die Stadt. Die Hochhäuser reihen sich in allen Blickrichtungen aneinander bis zum Horizont. Man kann es kaum einfangen im Foto.






Nach der Seilbahn-Bergstation sind es noch wenige Höhenmeter bis zur historischen Signalfeuerstation mit den 5 großen Feuerstellen (rekonstruiert).
Während der Joseon-Dynastie war dies das zentrale Kommunikationsnetzwerk des Landes. Über ein System von Signalfeuern (Bongsu-dae) wurden militärische Informationen und Bedrohungen innerhalb von nur 12 Stunden von den Grenzen bis in die Hauptstadt geleitet. Die Codierung war streng geregelt:
- 1 Feuer/Rauch: Friedenszustand
- 2 Feuer/Rauch: Feind gesichtet
- 3 Feuer/Rauch: Feind nähert sich der Grenze
- 4 Feuer/Rauch: Feind dringt über die Grenze ein
- 5 Feuer/Rauch: Kampf an der Grenze hat begonnen
(Quelle: https://english.visitseoul.net/events/Namsan-Beacon-Mound-Lighting-Ceremony_/8012)

Dann sind wir am 239m hohen N Seoul Tower, der ab 1975 seine Funktion als Fernsehturm aufgenommen hat.
Rund um das Gelände hängen unzählige Schlösser von Paaren. Die zugehörigen Verkausbuden sind direkt um die Ecke.






Wir machen uns auf zum dritten Highlight des Tages: dem Namsangol Hanok Village 남산골한옥마을, einem kleinen Hanok Dorf als Freilichtmuseum mit traditionellen Häusern aus dem 19. Jahrhundert.

















Danach treten wir den Rückweg zum Hotel an – schnell wird noch eine Kleinigkeit gegessen, u.a. Tteokbokki: Kleine Reiskuchen in einer sehr scharfen süßlichen Chili Sauce und Eomuk (eine Art Pfannkuchen aus Meeresfrüchtemehl, wie wir später lesen).


Wir schlendern noch 30 Minuten entlang des Abendverkehrs und sind reif fürs Bett. Ca. 10km sind wir Treppauf und Treppab bzw. Bergauf und Bergab gelaufen.





Fazit: Seoul ist hügelig und Treppen sind allgegenwärtig. Jede kleinste Nische wird auf den Märkten als Verkaufsfläche genutzt. Die Mentalität ist distanziert.

