Der direkte Weg zum Atlantik ist uns zu weit, und so legen wir noch einen Zwischenstopp auf halber Strecke ein. Ziel des Tages von Reims aus ist somit Noyon – noch nie gehört, aber liegt auf der Route.
Zunächst statten wir dem hiesigen Ducatihändler einen Besuch ab. Der Bremsflüssigkeitsbehälter schwitzt etwas, das wollen wir mal anschauen lassen. Es ist alles ok und kommt bei der Scrambler häufiger vor. Wenn es wieder schwitzt, einfach abwischen „ce n’est pas grave!“. Na dann…
Weiter geht es erstmal Richtung Süden. Épernay wurde uns als die echte Champagnerhauptstadt empfohlen. Wir touren über kleine Straßen durch Felder, Weinberge und beschauliche Orte. In Épernay cruisen wir die prachtvolle Avenue de Champagne entlang, halten aber nicht zum Verkosten – „don’t drink and drive“.
Nach Épernay beginnt eine tolle Fahrt durch die Weinberge der Champagne. Wir befinden uns dabei noch in der ehemaligen Region Champagne-Ardennen, heute Teil der Region Grand-Est.



Hautevillers – ein zauberhaftes Weinbau-Städtchen – bildet den Auftakt. Auf teilweise einspurigen Straßen führt uns die Route durch pittoreske Dörflein. Die Häuser aus beigem Sandstein, teilweise halbverfallen oder leerstehend (wir vermuten Landflucht). Egal, wie winzig die Häuseransammlungen sind, man findet immer entweder eine relativ große Kirche, ein kleines Schloß oder ein Bürgermeisterhaus (oder auch mal alles zusammen).

Bruys, Lhuys, Lesges und Terny-Sorny sind einige der Dörfer, die wir durchqueren. Und irgendwann sind wir in der ehemaligen Region Picardie, heute zusammen mit dem ehemaligen Nord-Pas-de-Calais (kennt man eventuell aus dem entzückenden Film “Willkommen bei den Sch’tis“) Teil der Region Hauts-de-France.


Wir kommen langsam voran und haben wie die Touren vorher einen Schnitt von 50-60 km/h. Zitat dazu von SBs Maman: “Sind die Straßen so schlecht, oder schiebt Ihr?!“ Unverschämtheit! 😆 Aber ja, die Straßen bringen in jeder Kurve neue Überraschungen: Melonengroße Schlaglöcher, Kies, Rollsplitt. Wenn man es mal laufen lassen kann mit 80 km/h, fühlt man sich schon im Geschwindigkeitsrausch.
Obwohl es traumhaft schön ist, vermissen wir ein bisschen das “oh là là“ und das “savoir vivre“, was wir uns für die Reise erträumt haben: es gibt keine Cafés oder Bistros auf der Strecke, aber auch keine Tankstellen oder Unterkünfte. Diese einsame Routenführung kann durchaus an SLs Navigationseinstellung für „kurvenreiche Strecke“ liegen 😊.
In Noyon erreichen wir wieder gewohnten Kommerz und Zivilisation und freuen uns bei einem Abendessen, dass wir dem Regen davongefahren sind.
Wildlife heute: mal wieder ein Fasan (SB: ich habe vorher noch nie auch nur einen Fasan in freier Natur gesehen und nun täglich… muss mein Totemtier sein).


