#12 Auf geht es in die Bretagne (Breizh)

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Wiedermal haben wir hervorragend geschlafen und starten zunächst zu einer kleinen Schloßruine außerhalb von Coutances. Die Stadt und deren Kathedrale lassen wir aus.

Chateau Gratot ist eine reizvolle Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert und war bis 1777 in Besitz der Familie Argouges. Im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte verfiel das Schloß immer mehr, bis sich eine Gruppe Freiwilliger in einer privaten Initiative der Sache annahm und eine Teilrestaurierung in mühevoller Handarbeit, finanziert durch das französische Kultusministerium, durchgeführt hat. In den ehemaligen Stallungen befindet sich eine interessante Dauerausstellung zur Geschichte des Schlosses.

Das heutige Highlight erwartet uns in Granville, einem Badeort. Dort steht mit malerischer Aussicht auf das Meer und inmitten eines kleinen, aber wunderschönen Parks mit Rosenspalieren das Geburtshaus von Christian Dior. Die Ausstellung “Chapeaux Dior!“ ist leider erst ab Mitte Mai geöffnet, aber viel attraktiver erscheint uns momentan der niedliche Salon de Thé im Garten. Unter den großen Nadelgewächsen serviert man hier leckere Snacks und tollen Kaffee. Als Dreingabe fliegt in wenigen Metern mehrfach ein Paraglider auf Augenhöhe an uns vorbei. SB hat etwas Bedenken, dass sie ihn und seine Schnüre mit dem Multitool bald aus einem der Bäume schneiden muss, aber er versteht sein Handwerk und düst irgendwann ab.

SL will weiter zu einem Aussichtspunkt für den Mont-Saint-Michel. Die Irrfahrt (entweder ist das Navi oder die Benutzerin des Navi bockig) zum Pointe du Grouin du Sud lohnt sich in jedem Fall. Der Mont-Saint-Michel ist zwar noch recht klein von diesem Punkt aus zu sehen, aber es ist herrlich dort zu picknicken.

Wir wollen etwas näher ran an diesen berühmten Felsen im Meer und kurven entlang des Wattenmeers und auf einspurigen Dämmen auf die westliche Seite der Bucht. Immer noch nicht nah genug für Fotos (Smartphoneknippserei halt), aber dennoch eindrucksvoll. Bis in die 1960er Jahre lebten in der Abtei Benediktinermönche, seit 2001 ist es eine andere Glaubensgemeinschaft, die die Gebäude beherbergt. Als Teil des Jakobsweges wird der „Berg“ nicht nur von über 2 Millionen Touristen jedes Jahr besucht, sondern zunehmend auch wieder von Pilgern. Zum UNESCO Weltkulturerbe zählen der Felsen und die Bucht.

Wieder im Sattel geht es entlang der flachen Küste Richtung Saint-Malo. Kurz nach der Bucht des Mont-Saint-Michel sind wir in der Bretagne. „Breizh“ ist das bretonische Wort für diese Region. Fans von Meeresfrüchten kommen hier voll auf ihre Kosten. Überall gibt es Muscheln, Meeresschnecken und Austern aus hiesigen Zuchten. Anscheinend wird alles andere nicht so gerne gegessen, zumindest lassen das die vereinzelten Automaten am Wegesrand für Pizza (!) und Baguette (?) vermuten.

Dank der Navieinstellung “kurvenreich“ fahren wir mindestens einmal mitten durch Saint-Malo, bevor wir endlich zum Hotel in einem Außenbezirk finden. Wir richten uns ein und unternehmen noch einen Abendspaziergang zum Plage des Bas Sablons mit seinem großen Yachthafen. Die Lokalitäten haben hier bereits zu, aber eine Bucht weiter steppt der Bär in einem eher studentischen Viertel.

Wir schauen uns das Treiben an und lassen es auf uns wirken… und dann geht es zurück ins Hotel.