#44 Carcassonne: In den Mauern der Cité

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Wir lassen das Hotelfrühstück weg und gehen stattdessen in eine Boulangerie in der Nähe. Vor Ort entpuppt sich der Laden als ehemalige Tankstelle, deren Durchfahrt jetzt zum Parken genutzt wird. Vier Stehtische sind draußen und wir genießen unser Frühstück in diesem Ambiente 😉. Immerhin sind die Backwaren und der Kaffee köstlich.

An unserem Motorrad-freien Tag laufen wir nochmal zur Festung, da es uns gestern Abend bei dem tollen Licht und den wenigen Besuchern super gefallen hat. Natürlich drängeln sich tagsüber die Touristen und es wird zunehmend heißer, aber wir erkunden mehrere neue Ecken in der sonst beschaulichen Altstadt.

Die mittelalterliche Festungsanlage ist von ihrer Größe und ihrem Erhaltungszustand her einzigartig in Europa. Die noch bewohnte Cité wird von einem doppelten Mauerring umschlossen. Die Festung wurde nach mehreren Kriegen und anschließendem Verfall beginnend 1853 restauriert und liegt heute in der Altstadt. Parallel zu den Kriegen entstand die Unterstadt auf der anderen Seite des Flusses Aude, in der damals und heute die meisten Einwohner leben und die wir ebenfalls heute besichtigen wollen.

Bei der Hitze ist Trinken essentiell. SL’s Cola-Index steht mit 3 EUR im Straßenverkauf in der Cité auf “zu teuer“. Folglich heißt es in der stechenden Sonne noch etwas zu dürsten, bevor auf dem Weg zur Unterstadt ein kleiner Kiosk die Dose Cola für 1,50 EUR anbietet. Geht doch! SB war zwar kurz vor einem soliden Kreislaufkollaps, aber neben der rheinischen Frohnatur steckt in SL irgendwie auch etwas Schwäbisches. Erfrischt geht es in brütender Hitze weiter über die alte Brücke in die Unterstadt. Wir laufen teilweise durch morbide Gassen und erreichen schließlich einen großen Platz mit Restaurants. Trotz eines leichten Hüngerchens finden wir nichts, was uns zusagt – wir sind beim Essen komplex gestrickt. Zunehmend unentspannter marschieren wir die Gassen hoch und runter. Es ist vielfach etwas heruntergekommen für unser Empfinden. Leicht übellaunig treten wir schon fast den Heimweg an, als uns ein kleiner unscheinbarer Pizzaladen anlacht. Wir kehren ein und werden von der Pizzabäckerin nicht nur mit Leckerein versorgt, sondern auch mit ihrem wirklich guten Gesang zu ihren Lieblings-Popliedern unterhalten.

Trotz Stärkung will der Funke für diese Stadt nicht überspringen. So beschließen wir den Rückweg von 30 Minuten Fußweg ins Hotel anzutreten. Die Hitze und die zunehmend verwahrloste Strecke sind Launekiller – wir sind kurz davor uns dehydriert und nassgeschwitzt nur noch im Zeitlupentempo fortzubewegen. Laut Google Maps ist ein großer Supermarkt in Hotelnähe. Den peilen wir in der Hoffnung auf Kaltgetränke an. Bei deutlich über 30 Grad stehen wir auf dem riesigen betonierten Parkplatz und stellen fest: der Supermarkt steht zwar da, ist allerdings dauerhaft geschlossen – seit 2 Tagen. Carcassonne rutscht hiermit eindeutig auf den letzten Platz unserer Beliebtheitsskala. Im Schwesterhotel nebenan sammeln wir uns auf der schattigen Terrasse bei einem Kaffee mit Eiswürfeln. Auf die Frage, wo denn der große Supermarkt abgeblieben sei, antwortet die Hotelangestellte, der ist umgezogen… nur 10 Minuten zu Fuß weg. Nur… noch weitere… 10… Minuten… danke, aber nein danke. Es ist später Nachmittag und wir beschließen, im Restaurant “Zum goldenen M“ sicherheitshalber etwas zu trinken und zu essen. Selbst der Weg dahin gelingt nur über Umwege, entlang einer viel befahrenen Straße ohne Bürgersteig über einen Kreisel. Wobei man Gehwege hier nicht zum Gehen benötigt, sondern eher zum Parken.
Von der Carcassonne Unterstadt bedient fallen wir ins Bett und genießen die Klimaanlage.

Bis Mitternacht sorgt noch eine lärmende spanische Schulklasse, die auf dem Parkplatz Ball spielt, für Unterhaltung – Carcassonne: Gute Nacht!