So schön das Hotel ist, so hellhörig ist es auch. Wir sind mal wieder früh wach, weil die ersten Sportskanonen direkt durch unser Schlafzimmer trampeln. Hinzu kommt, dass unsere Zimmerwand zum Treppenhaus geht. In Frankreich dienen die Wände nur als Sichtschutz… SL ist platt mit Kopfschmerzen, offensichtlich wird kein Bier mehr vertragen.
Nach dem etwas enttäuschenden Hotel-Frühstück brechen wir zur Mittagszeit für eine Wanderung zum Bossons Gletscher auf, den Gletscher, den wir direkt vom Hotel aus sehen. Da wir keine Verpflegung haben, geht es via kleinem Umweg an einem Super U vorbei. Das Wetter ist wieder sonnig und wir schlagen uns raus aus der Siedlung und kommen am Fluß vorbei, der vermutlich das Gletscherwasser führt.

In unserer langen Motorrad-Funktionsunterwäsche als Wärmeschutz drunter und Mountainbikehosen drüber marschieren wir nach oben. Das mit dem Wärmeschutz hätten wir uns mal besser gespart, es wurde noch sehr heiß im Laufe des Tages. Auf einem Wanderweg erreichen wir den Wald, der mit einem Flüsschen aufwartet und ansonsten erstmal die Aussicht auf die Berge versperrt.



Ab dann geht es im zickzack steil den Berg hinauf bis wir nach rund 5 km und bei ca. 1425 m Höhe beim Chalet du Glacier des Bossons rauskommen, einer kleinen Berghütte unterhalb des Gletschers. Wir laufen etwas weiter für die Aussichtspunkte und lernen auf dem Weg einiges über den dramatischen Gletscherrückgang, aber auch über zwei dubiose Flugzeugabstürze von Air India in den Gletscher in den Jahren 1966 und 1950. Insgesamt fast 150 Opfer – die zum Teil immer noch im ewigen Eis liegen, da eine Bergung damals nicht möglich war. Gruselig. Gerade vor ein paar Jahren sind wieder mumifizierte Teile aufgetaucht. Die Gletscherzunge verlief bis ins 19. Jahrhundert noch bis zum knapp 400 Höhenmeter tiefer gelegenen Dorf Les Bossons. Ein wirklich heftiger Rückgang, der da stattgefunden hat. Obwohl das Eis nun erst auf über 1500 Höhenmeter beginnt, ist die Gletscherzunge das tiefstgelegene Gletschereis der Alpen.



Dann geht es das erste Stück auf dem gleichen Wanderweg wieder zurück


und schnurstracks über den Fluss Arve, von wo wir einen schönen Blick auf den Gletscher haben.


Kurz vor Ortseingang passieren wir noch eine großzügigge Parkanlage mit dem kleinen Lac des Gaillands und den Kletterfelsen, die eifrig genutzt werden.

Wir sind froh, heute Abend das Menü im Hotel bestellt zu haben – wir können uns kaum mehr bewegen. Das Essen ist okay, aber ein Menü hätte es nicht sein müssen. Geht aber häufig gar nicht ohne und man wird irritiert angeschaut, wenn man nur das Hauptgericht essen möchte.
Egal, SL muss schon wieder den Blick auf den Mont Blanc und den Gletscher knipsen.



