#51 Durch duftende Lavendelfelder zum Gorges du Verdon

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Das Charmante an den Logis Hotels generell ist, wie auch hier in Manosque wieder, das Personal und das Gasthaus an sich. Eine sehr hilfsbereite und fürsorgliche Gastgeberin ist auch hier am Start und das Frühstück gibt es in einer Nische im Hoteleingang auf dem Gehweg für noch mehr französisches “savoir vivre“. Uns gefällt‘s!

Bevor es los geht, steht tanken und Reifendruck nachfüllen an. Die Sache mit dem Reifendruck ist mühsam: es steht nicht an jeder Tankstelle ein Gerät, dann funktionieren sie kaum und wenn, dann nicht kostenlos. Leider geht der heutige Drecksapparat nicht und innerhalb eines Wimpernschlags hat White Rabbit vorne statt 2,5 nur noch 1,1 Bar. Blöd… saublöd sogar, denn damit kann man nirgends mehr hinfahren. Gegenüber ist glücklicherweise eine kleine Autowerkstatt. Netterweise hilft die Mechanikerin aus und füllt beide Reifen. Was für eine Erleichterung!

Wir starten nach dieser Verzögerung gemütlich mit wenigen geplanten Tageskilometern. Auf der D6 schrauben wir uns gemächlich und sanft durch Wald und Kurven höher bis kurz vor Valensole. Einige Autos stehen an der Straße und Frauen in wehenden hellen Leinenkleidern mitten in einem riesigen Lavendelfeld. Die zugehörigen Partner in Fotografenpose mühen sich ab, ideale Fotos zu schießen. Hier muss es sein! Lavendel soweit das Auge reicht. SL hat leider verpasst, ein Foto dieser köstlichen Szenen zu machen.
Unser erster Stopp vor Valensole gilt dem Lavendel-Shop von Terraroma für kleine duftende Souvenirs. Hier wird uns der Unterschied zwischen dem echten Lavendel und Lavandin erläutert. Mittlerweile wird aufgrund der höheren Erträge an ätherischen Ölen, trotz nicht so hoher Qualität wie beim Echten Lavendel, mehr Lavandin angebaut. Ab da reist die Skepsis beim Anblick der lila Felder mit. Man kann die beiden Pflanzenarten wohl gut auseinanderhalten (Geruch und Aussehen).
Zurück am Parkplatz bittet uns eine deutsche Touristin, ein Foto von ihr zu machen und sie möchte sich revanchieren und eines von uns schießen. Das ist leider nicht ganz gelungen und wir können es daher hier aus Gründen der Eitelkeit nicht zeigen (okay, liegt hauptsächlich an der Frise von SL…). Ein Stück weiter und einsamer beschließen wir unsere Lavendelbilder zu knipsen.

Durch einen wunderschönen Wechsel aus Lavendel- und Weizenfeldern geht es begleitet mit dem Duft von Lavendel/Lavandin weiter, bis wir unter uns den Lac de Sainte-Croix aufblitzen sehen. Dort am See im Örtchen Sainte-Croix-du-Verdon wollen wir ein Mittagspäuschen machen und die Aussicht genießen.
SL muss direkt erstmal eine frische vietnamesische Sommerrolle verspeisen, die es hin und wieder in den Supermärkten gibt.

Wir laufen schwitzend in der Hitze 400 m hoch zum Ort und genießen von einer Aussichtsterrasse sowohl einen Snack, als auch die Aussicht. Von dort entdecken wir auch eine große Rauchwolke über der Verdon-Schlucht und die Löschflugzeuge, die Wasser aus dem See holen. Wir lesen im Internet, dass es an einem Hang gegenüber unseres Ziels seit zwei Tagen brennt, wollen die Fahrt aber erstmal wie geplant fortsetzen.

Den Rückweg wählen wir über einen schmalen Weg und am Seeufer entlang.

Wieder auf den Motorrädern, nehmen wir moderat die Kurven vom See hoch in die Ebene. Wirklich voran kommen wir nicht: nochmal das unglaubliche Blau und die Aussicht von oben knipsen – und dann ist da auch schon wieder ein Lavendelfeld.

Das Navi schickt uns nun auf Nebenstraßen, die mal wieder einen katastrophalen Straßenbelag für uns bereit halten. An Moustiers fahren wir vorbei… es ist zu heiß, um nochmal abzusitzen und eine weitere mittelalterliche Stadt mit geschlossenen Cafés und “schönstes Dorf Frankreichs“ zu besichtigen. Nach einem größeren Bogen um den Stausee erreichen wir auf der D952 den Eingang in die Verdon-Schlucht. Auf über 20 km Länge hat sich der türkisfarbene Fluß Verdon zu einer imposanten Schlucht 400-700 m tief ins Kalkmassiv eingearbeitet und mündet in den vorher erwähnten See. Wir fahren hoch – kurvig, eng und stellenweise am Abgrund. Mit voller Konzentration auf den Asphalt bekommt man als Motorradfahrer weniger mit von der tollen Umgebung und freut sich über jede ebene asphaltierte Haltemöglichkeit. Aufregend und anstrengend zugleich, vorallem mit Gegenverkehr auf der eigenen Fahrbahn in den Kurven.

Kurz vor unserem Zielort La Palud-sur-Verdon durchfahren wir eine schöne Hochebene. Der Rauch des Waldbrands ist deutlich wahrnehmbahr – visuell und olfaktorisch. Das Feuer selber ist jedoch hinter mehreren Hügeln und nicht sichtbar.

Wir checken zu einem überhöhten Preis im Hotel ein und legen nach dem Duschen erstmal die Füße hoch.

SB macht sich schlau über die 23 km lange Grat-Route entlang der Verdon-Schlucht (Route des Crêtes) und SL liest Google Maps und Booking.de leer, wo man schön ans Mittelmeer fahren könnte.
Während wir schon bald ein Ergebnis zur Route des Crêtes haben – ja, wir fahren sie morgen, ist auch mehrheitlich Einbahnstraße – wissen wir immer noch nicht unser nächstes Ziel. Wir verpassen dadurch unser Abendessen und sind gegen Mitternacht extrem schlecht gelaunt: es gibt einfach keine ansprechende Unterkunft (nicht verfügbar, zu schlecht, zu teuer, …). Dabei sind wir ja flexibel hinsichtlich des Zieles. Das Mittelmeer haben wir rauf- und runtergecheckt und dann reicht es uns. Wenn wir schon keine schöne Hütte direkt am Strand finden, die in unser Tagesbudget passt, soll es eine Stadt sein. Auf geht es also morgen nach Nizza, das letzte saubere T-Shirt will endlich schick ausgeführt werden!