#50 Auf dem Weg zu den Lavendelfeldern

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Bollène dient nur als Übernachtungsstopp auf dem Weg zu einigen Lavendelfeldern in der Provence und so machen wir nach einem hundsmiserablen Kaffee erstmal Strecke auf größeren Landstraßen. Nach Tullette und Buisson wird es wieder lieblicher: Wein und Olivenbäume links und rechts der Straße und hohe Zypressen und Pappeln ab und an. Durch die gewählte Route kommen wir kurz vor Vaison-la-Romaine an einem Steinfeld vorbei. Es handelt sich um den “Jardin des Neuf Damoiselles“, ein Kunstwerk zur Erinnerung an die Opfer einer verheerenden Flutkatastrophe im Jahr 1992. 81 große Granitmenhire stehen dort in konzentrischen Kreisen und sind mit Gedichten und Botschaften graviert. Eine komplette Erläuterung der Zahlen und Inschriften würde den Rahmen dieses Tagebuchs sprengen.

Bei der Durchfahrt von Vaison-la-Romaine erkennen wir zu spät anhand der zahlreichen Touristen, dass es sich um ein sehenswertes Städtchen handelt. Ein kurzer Blick auf die schöne alte Steinbrücke können wir dennoch im Vorbeiflug erhaschen.

SB hat die Route nach Lavendelfeldern ausgesucht, die wir allerdings immer noch nicht sehen. Stattdessen durchkurven wir unerwartet einen einsamen, schönen Höhenzug über den Pass “Col de Veaux“, den wir uns nur mit Rennrad-Fahrern teilen. Ein schöner schattiger Platz lädt zum Picknick ein.

Nach nicht allzulanger Fahrt über Aurel erreichen wir das Städtchen Sault. Der Ort liegt etwas erhaben und bietet einen tollen Ausblick in die Ebene und auf Lavendelfelder, die noch nicht in voller Blüte sind, aber erahnen lassen, wie stimmungsvoll es hier in ein paar Wochen zugehen könnte. Wir lassen uns im Ort etwas treiben und kehren in einem wunderbaren und klimatisierten Salon de Thé ein. Gönnen uns hier aber keinen Tee, sondern Kaffee und hausgemachtes leckeres Eis.

Es geht weiter in der Ebene und dann sind endlich bei Simiane-la-Rotonde die ersten blühenden Lavendelfelder direkt neben uns. Fotooo! SL wartet dafür auch minutenlang, bis die Sonne wieder aus den Wolken kommt.

Auf den kleinen Landstraßen geht es mit unterschiedlichstem Straßenbelag unter den Reifen weiter zu unserem Zielort Manosque. Abschnittsweise löst sich wieder die Deckschicht durch die Hitze und wird schmierig und glatt. Manchmal sind auch üble Bodenwellen oder Rollsplit dabei. Als Ausgleich kreisen einige Geier über uns. Diese Vögel so zahlreich und nah zu beobachten ist ein Glücksfall.

Und was eine Freude, unser Zimmer im zentral gelegenen Logis Hotel hat eine Klimaanlage. Nach dem Duschen steht noch ein Bummel durch die Altstadt an. Die Bürgersteige sind hochgeklappt, die gepflasterten Gassen riechen etwas unangenehm, aber wir haben vom Zimmer einen schönen Blick in die Landschaft. Notiz am Rande: Die Badezimmertüre geht ins Badezimmer auf, und zwar so knapp, dass man die Türe eigentlich nicht schließen oder öffnen kann. Man muss auf den Zehenspitzen stehend den Allerwertesten über das Waschbecken heben und dann “Brust raus, Bauch rein“ mit angehaltenem Atem die Türe vorbeischieben. Eine echte Ingenieursleistung…