Highlights in den Cevennen sind die Jonte- und Tarn-Schluchten, die Ziele unserer (quadratischen) Rundtour heute. Wir kommen den Umständen entsprechend gut mit der Hitze beim Motorradfahren zurecht, sodass uns nichts aufhält (SB: wenn “Umstände entsprechend“ Atemnot im Helm, Kreislaufproblemchen und literweise Flüssigkeitsverlust beinhalten …?). Drei Liter Wasser sind inzwischen mit dabei.
Drei Flüsse kommen in Meyrueis zusammen, davon fahren wir die Jonte gemütlich entlang mit Fotostopps auf der Strecke.









Je weiter wir in die Schlucht fahren, desto mehr Geier kreisen in der Höhe über uns – SB fühlt sich bereits fixiert 😉.
Die unzähligen Höhlen in der eindrucksvollen Schlucht bieten den wildlebenden großen Vögeln Unterschlupf. In den 1980er Jahren wurden in diesem Gebiet erstmals wieder Geier durch eine Initiative ausgewildert und angesiedelt. Vom Aussichtspunkt des Hauses der Geier “Maison des Vautours“ kann man sie besonders gut sehen.
Dort kommen wir bei inzwischen brütender Hitze an und genießen erstmal die Klimaanlage.

Die Ausstellung zu den Geiern ist wirklich toll, informativ und humorvoll gemacht. Vier Geierarten leben inzwischen in dem Gebiet (Bartgeier, Gänsegeier, Mönchsgeier und temporär der ägyptische Geier). Die imposanten Spannweiten und die Nützlichkeit dieser Tiere war uns so gar nicht klar. Mittlerweile „kooperieren“ die Landwirte und Viehzüchter mit den Geiern. SL hätte fast einen falschen Vogel aus der Ausstellung wieder mit rausgenommen.

Auf der Aussichtsplattform hat man einen phantastischen Blick über die Schlucht.





Ein Ornithologe zeigt mittels der dort festinstallierten Fernrohre die Nester. Toll!


Wir lernen, dass die teils großflächigen weißen Verfärbungen an den Kalkfelsen durch den Kot der Vögel entstehen und somit Hinweise auf Nester sind. Das Weiß dieser Hinterlassenschaften zusammen mit dem Rot und Graublau der Felsen sind quasi die Markenfarben der Schlucht und so auch auf T-Shirtmotiven zu finden.
Das Beitragsbild zeigt einen ausgestopften Junggeier. Dieser hat – wie rund 20% aller Geier – den ersten Abflug nicht geschafft und ist in der Schlucht verendet 😕.
Nach einer kalten Cola geht es weiter nach Le Rozier, hier mündet die Jonte in den Tarn. Die Tarn-Schlucht ist eindrücklicher durch die höheren Kalksteinfelsen und engeren Straßen, die wir häufiger durch Kalkstein-Tunnelhöhlen durchfahren. Stellenweise muss man die Aussicht leider aufgrund der maximal kniehohen Straßenbegrenzung zur abfallenden Schlucht ignorieren.









Einen spektakulären Ausblick auf die Tarn-Schlucht soll man vom Point Sublime haben. Dieser erfordert ab Les Vignes wieder zahlreiche Höhenmeter und Spitzkehren. Inzwischen stresst uns das nicht mehr, allerdings ist es immer noch anstrengend und wir sind eigentlich zu faul für den 11 km langen Abstecher – bei der Hitze erst recht. Kurzfristig entscheiden wir uns doch dafür, abzubiegen. Eine gute Entscheidung! Einerseits aufgrund der Temperatur – im Tal waren es 38 Grad, oben “nur noch“ 34 Grad – und andererseits wegen der grandiosen Aussicht in alle Richtungen inklusive Geier-Sichtungen.
Dort unter dem Baum nutzen wir die Gelegenheit für ein schattiges Päuschen.




Nach dem Rückweg durch die Haarnadelkurven ins Tal führt unsere Tour entlang des Tarn weiter Richtung Norden. Sehr abwechslungsreich und imposant durch Tunnelhöhlen und unter dominanten Felsüberhängen hindurch.






In Sainte-Enimie queren wir den Tarn und befinden uns auf dem kurvenlastigen Rückweg nach Meyrueis. Das Thermometer erreicht mittlerweile 40 Grad. An mehreren Stellen, auch in Kurven, schmilzt der Straßenbelag und haut uns teilweise die gelösten Teer-Brocken um die Ohren. Auf der engen Straße wenige Kilometer vor Meyrueis haben wir wieder Kontakt mit den unsäglichen Motorradgruppen, die auch gerne mal in blinden Kurven in der Kolonne überholen oder im Gegenverkehr mit dem Oberkörper auf unserer Fahrbahn fahren. Hauptsache schnell gefahren und cool gegrüßt, statt angepasst 5 km/h weniger in den Kurven und dafür auf der eigenen Fahrbahn… Unser Puls erhöht sich spontan ins Endlose aufgrund dieser unverantwortlichen Fahrweise. Wir fahren mittlerweile mehr als defensiv, weil diese Erlebnisse zu häufig sind.
In der Unterkunft zurück hübschen wir uns auf (duschen und sauberes T-Shirt), denn ein weiterer Höhepunkt des Tages steht an. Wir treffen Heike und Stephan, die auf ihrer Rückreise aus Spanien ihre Route für ein Treffen anpassen und einen Zwischenstopp in Meyrueis einlegen.
Nach einem gepflegten Rosé-Apéritif

geht es in ein Restaurant, bekannt für seine Aligot-Gerichte. Aligot ist ein fester Kartoffelbrei mit Käse, Knoblauch, Sahne und wird meist als Beilage genommen. Portioniert wird Aligot aus einem Topf mit einer Schere, mit der die Beilage abgeschnitten wird. Wer zum ersten Mal Aligot isst, wird „getauft“ und bekommt eine kleine Portion auf den Kopf gelegt, das soll Glück bringen. Heike traut sich 😊, zu unserem Vergnügen.



Wir sind spät nachts die Letzten in dem gemütlichen Gartenrestaurant. Ein super schöner Abend geht zu Ende – mit vielen Geschichten rund um Moppeds. Danke nochmal, Heike und Stephan!



