#45 Zentralmassiv: Der Hitze entfliehen

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Unser Plan in die Camargue zu fahren entfällt leider aufgrund der Wettervorhersage. Der Pin zeigt auf Carcassonne und wir beschließen ins Landesinnere Richtung Zentralmassiv nördlich von Montpellier zu fahren, wo es nur hellrot ist…

Aber erst wird das Frühstück wieder in der Boulangerie von gestern eingenommen.

Auch heute finden wir nicht zum niegelnagelneuen Supermarkt: vor lauter Kreisel in dem großen Shopping-Areal erschließt sich für uns der Zugang nicht. Also heißt es Gas geben und Carcassonne einfach zügig verlassen.

Eine kleine Abwechslung ist die Fahrt entlang des Canal du Midi bei Trèbes, wo einige Hausboote unterwegs sind. Weiter geht es in der heißen flachen Landschaft über Puichéric mit wechselweise braunen Getreidefeldern und grünen Weinreihen. Mitten im Nirgendwo steht ein Supermarkt an einem Kreisel. Zum Abkühlen bei bereits über 30 Grad und um endlich unsere Getränke und Snacks (u.a. wieder Taboule-Salat, man weiß ja nie) einzukaufen, kommt uns der Intermarché gerade recht. Es geht insgesamt 120 Kilometer (an Beziérs vorbei) so dahin entlang der „Route des vins du Minervois“ – auf größeren Landstraßen in wärmster Luft. Hinter Gignac tauchen wir langsam in eine Toskana-ähnliche Landschaft ein – Pappeln, Zypressen und Wein begleiten uns. Langsam wird es stickig unter dem Helm. In Montpeyroux stoppen wir, um zu rasten.

Mit den Hügeln wird die Straße wieder kurviger und die Landschaft schöner. Zeit für einen Fotostop in Arboras, einem süßen Dörfchen an einer Hügelflanke.

Hinter Arboras beginnt auch eine wunderschöne Route zum Col du Vente. Top ausgebaut, nichts los, super Aussicht.

Auf der Abfahrt eröffnet sich uns eine steppenähnliche Hochebene, die Flora geht nur bis zu den Knien und die Strecke wird wieder gerade. Hier biegen wir ab zu einer landschaftlichen Besonderheit: dem „Cirque de Navacelles“, einer großen Karformation südlich des Zentralmassivs. Es ist brüllend heiß, vorallem beim Absteigen und Rumlaufen. Am Parkplatz ist ein Restaurant, welches zu unserer Überraschung an dieser prominenten Stelle geschlossen hat. Direkt dahinter schaut man vom Bergkamm hinab in den Talkessel. Atemberaubend ist der Blick in die Tiefe.

Zurück auf der „Hauptstraße“ D25 geht es abwärts durch ein paar herausfordernde und schmale Haarnadelkurven. Danach ist ein kurzer Fotostop in Madières willkommen, bevor wir uns durch die Landschaft der Causses (zerklüftete Kalkhochebenen) und der Cevennen weiter zu unserem Bed & Breakfast in Laroque bewegen.

In Laroque werden wir in einem Häuschen herzlich von Aisha, die uns das obere Stockwerk sowie ihre Küche überlässt, empfangen. Die Küche wird direkt von uns mit einem Tapas Abendessen und Cidre in Beschlag genommen. Für uns ein echtes Bed & Breakfast.

Die Flasche Cidre will verarbeitet werden – ein Abendspaziergang steht an. Eigentlich ist der nächstgrößere Ort Ganges das Ziel. Aisha empfiehlt stattdessen nach Laroque zu laufen, das wäre doch viel schöner mit einem mittelalterlichen Ortskern direkt am Fluß Hérault. Also geht es ca. 15 min nach Laroque. Die engen Gassen sind nur zu Fuß zu begehen und der Ort ist bis auf ein paar Restaurants am Fluß nicht touristisch, sondern tatsächlich bewohnt.

Zum ersten Mal auf der Reise gibt es ein Mückenproblem. Glücklicherweise haben wir kurz zuvor ein Mückenspray gekauft. Jetzt riecht alles nach Citronella.