#43 Durch Flachland nach Carcassonne

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Wir haben länger überlegt, in welche Richtung wir die Pyrenäen verlassen und uns aufgrund der dichten Besiedlung der Küstenlinie gegen Perpignan, Narbonne und Montpellier als Ziel entschieden. Unser Frühstück zieht sich in die Länge – durch Plauderei und Rockys Eskapaden. Wir erzählen der Gastgeberin von unserer nächsten Streckenplanung nach Carcassonne – sie empfiehlt uns allerdings eine ganz andere Strecke über einen Pass, mit Durchfahrt durch eine Höhle und die Stadt Mirepoix wird uns auch ans Herz gelegt. Wir nehmen den Tipp dankend an und satteln die Moppeds.

Unser Start zum Pass wird kurz durch eine Pferdeherde unterbrochen. Es ist heute „Transhumance“ in der Umgebung. D.h. die Schafe und Rinder werden zur Wanderweidewirtschaft hinauf auf die Weiden getrieben. Dabei zuzusehen ist was für die frühen Vögel. Ab 7 Uhr geht es los in den Dörfern. Als wir unterwegs sind, ist schon alles vorbei. Wieso uns die Pferde entgegenkommen, wissen wir nicht. Eventuell haben sie beim Almauftrieb geholfen. Wir genießen das Schauspiel, die nette Reiterschaft und die Tatsache, dass wir nun erstmal freie Bahn haben.

Ab hier geht es stetig in die Höhe auf der schmalen D17 zum „Col de la Core“. Die steilen und engen Kurven fahren wir inzwischen wesentlich entspannter. Mit herrlichem Blick in die Berge der Pyrenäen erreichen wir den Pass. Der Tip von unserer Gastgeberin war lohnenswert – wir genießen die tolle Aussicht.

Es geht nach der Passhöhe wieder abwärts auf der D17 über Sentenac-d’Oust nach Seix. Dann auf die schmale D3 und teilweise durch unbeleuchtete Tunnel auf dieser alten Einbahn-Landstraße entlang des Flüsschens Salat (heißt wirklich so). Saint-Girons streifen wir. Nun verläuft die Tour weiter über kleine Landstraßen Richtung Nordosten.

Bei bewölktem Himmel erreichen wir die Tunnelhöhle von „Le Mas-d‘Azil“ und machen eine kurze Pause. Durch einen Teil der Höhle geht unsere Straße später weiter.

Draußen vor der Höhle wird gegrillt, ein paar Mutige versuchen sich im Bungee Jumping. Innen wartet die Höhle mit riesigen Dimensionen und einem zahlungspflichtigen Besucherzugang auf. Die prähistorischen Funde der Magdalenien-Kulturstufe zeigen Lagerplätze und Wohnhöhlen – durch einen Fluss geteilt und auf mehreren Ebenen (haben wir nicht besichtigt). Auf der D119 durchfahren wir diese ca. 40 x 450 Meter Dunkelheit und düsen weiter.

Wir fahren nun in der Ebene, die Pyrenäen lassen wir hinter uns. Die Strecke ist unspektakulär, geradelinig durch Ackerland und es ist immer noch bewölkt. Zusätzlich nimmt die Hitze deutlich zu. Da kommt der nächste Zwischenstop in dem Städtchen Mirepoix gerade recht.

Es ist 14:30 – kriegen wir was zu Essen? Wir betreten die kleinen Gassen durch die Stadtmauer und erreichen einen weiten Platz, umsäumt von größtenteils zweigeschossigen, mittelalterlichen Fachwerkhäusern. Die hölzernen Arkaden sämtlicher Häuser sind der Hingucker dieses Platzes. Und die Cafés und Restaurants haben teilweise noch geöffnet ☺️. Das Flair erinnert uns entfernt an Saint-Girons: alternativ und künstlerisch.

Das erste angesteuerte Café macht gerade zu, aber die Dame vor Ort schickt uns ins nächste Restaurant. Und nicht nur das, sie stellt auch sicher, dass wir einen schönen Sitzplatz bekommen und der Kellner mitbekommt, dass wir etwas essen wollen.

Nach kurzem Spaziergang hüpfen wir auf die Motorräder und peilen auf der D119 fahrend unser Tagesziel Carcassonne an. Bis dahin rollen wir an Weinfeldern entlang und ab den Ortschaften La Force und Montréal immer wieder durch tolle Alleen mit hohen Bäumen.

Im Hotel angekommen folgt die alltägliche Routine: Absatteln, einchecken, duschen und dann geht es nochmal per Pedes in die „Cité de Carcassonne“ – die wieder aufgebaute Festungsstadt auf dem Hügel östlich des Flusses Aude. Diese Anlage haben wir bereits während der Anfahrt von einer Brücke aus gesehen… ein unfassbarer und unerwarteter Anblick. Wir streifen nur kurz durch die Gassen und genehmigen uns ein Sorbet in Blütenform (das Auge isst mit, der Geldbeutel quietscht etwas). Das Abendlicht fällt malerisch auf die Stadtmauer. Es lädt zum Knipsen ein… nicht nur uns, sondern auch die Instagram-Jünger. Ein Bursche lässt sich in sämtlichen Posen auf der Mauer von seiner Freundin ablichten. Spätestens bei seinen zahlreichen Anweisungen und kritischen Foto-Qualitätsprüfungen bewundern wir die Geduld der Dame.

Aus der Abend- ist eine Nachtrunde geworden, die wir weit über eine Brücke gedreht haben. Müde von der Fahrt, der Hitze und dem langen Spaziergang fallen wir ins Bett.