#25 Ein Tag in La Rochelle

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Das Hotel hat den Charme eines in die Jahre gekommenen Konferenzhotels. Beziehungsweise irgendwas zwischen BusinessCenter, Fitnessstudio und Hamam – klingt erstmal toll… ist es aber nicht. Das Frühstück im Hotel ist für SL leider daher auch eine Enttäuschung – wiedermal nur eine Selektion an abgepackten Dingen. SB ist das egal, sie nippt am Kaffee und begnügt sich als bekennende Nichtfrühstückerin mit einem Croissant. Wir haben den ganzen Tag Zeit und schreiben am Vormittag im Blog weiter und starten dann zur Mittagszeit für die 2 km auf der Promenade nach La Rochelle. SL knippst schnell am Ortseingang die urige Tapas Bar von gestern Abend.

Das Wetter ist wieder herrlich und wir kommen direkt am alten Hafen (Vieux port) mit den drei markanten Türmen an: dem spitzen Laternenturm, ehemals zur Überwachung des Seeverkehrs, als Leuchtturm und als Gefängnis genutzt – und den zwei Schutztürmen (Tour de la Chaîne und Tour St. Nicolas), die den Eingang des alten Hafens von La Rochelle markieren.

La Rochelle bedeutet „kleiner Felsen“ – will heißen, die Stadt wurde auf einem erhöhten Kalkfelsplateau initial besiedelt. Bis zum 15. Jahrhundert war La Rochelle der größte Hafen der französischen Atlantikküste. Gehandelt wurde hauptsächlich mit Wein und Salz. Vom Tour de la Chaîne wurde dem Namen gemäß nachts eine Kette zum Tour St. Nicolas zum Schutz des Hafens gespannt.

Wir flanieren durch die ansprechende Altstadt in der sich die Touristen tummeln und finden eine Ruheoase – einen niedlichen veganen Salon du Thé. SL haut beim Versuch zu erkären, warum wir die Ruhe dort gerade so toll finden raus: “Il y a trop d’hommes ici“ (und sagt also versehentlich statt „Hier sind zu viele Leute“ “Hier sind zu viele Männer“). Die Bedienung erwidert noch bevor wir korrigieren können total trocken “Ja, das auch…“. In lockerer Atmosphäre, aber angenehm ruhig, genießen wir unser Mittagessen und die leckere Patisserie.

Die deutsch-französische Geschichte aus dem 2. Weltkrieg holt uns auch hier wieder ein. Wir besuchen einen erhaltenen Bunker, der 1941 unter einem Hotel gebaut wurde, um die Kommandanten deutscher U-Boote vor Bomben zu schützen. Hier erfahren wir auch, dass Anfang der 1980er Jahre der Alte Hafen und die riesigen U-Boot-Bunker von La Pallice (der Neue Hafen) als Schauplatz für Szenen des Films “Das Boot“ von Wolfgang Petersen diente. Der Bunker unter dem Hotel lag Jahrzehnte im Dornrößchenschlaf. Ein ehemaliger Hotelbesitzer hat einfach die Eingänge zugemauert und sie gerieten in Vergessenheit bis sie in den 80er Jahren wieder entdeckt wurden.

SB zieht es in einen von außen eher unscheinbaren Laden. Es reicht wohl das Wort „Cognac“ in der Auslage, um die Einkehr dort auszulösen. Wir dürfen Cognac und Pineau eines kleinen Herstellers (Paul Bousset) probieren. Leider passt nichts ins Reisegepäck.

Beim weiteren Flanieren gönnen wir uns Éclairs und eine Süßigkeit, die wir bis dato nicht kannten: „Paris-Brest“. Ein Ring aus Brandteig, gefüllt mit Haselnusskrokantbuttercréme, benannt nach dem Radrennen Paris-Brest-Paris. Auf einer Bank an der Promenade verspeisen wir das Éclair und dann marschieren wir wieder in der Abendsonne Richtung Hotel zurück.