#19 Von Quimper nach Auray

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Neben dem täglichen Kampf mit dem TomTom Rider ist es zur Routine geworden vor der Tagesetappe zu tanken und einzukaufen. So sind wir immer gut mit einem Notfall-Essenspaket gerüstet. Häufig sieht die Verpflegung so aus: Wasser, Kekse (die anti-hangry Waffe für SB), Brot, Äpfel, Tomaten, Taboulé-Salat oder Ähnliches. Nachhaltig und ohne Verpackung ist auf dem Motorrad eher schwierig.

Unser erstes Zwischenziel ist der Badeort Concarneau mit seiner von Wasser umgebenen Altstadt (die “Ville Close“). Wir parken direkt vor der Wasserburg auf einem großen Parkplatz. Dort gibt es aus einer Seitenstraße erstmal einen kräftigen Knall. Knallen hier schon morgens die Champagnerkorken? Dann ein zweiter Knall. Ok, scheint eine größere Gesellschaft zu sein. Nur kurze Zeit später ertönt eine Salve kleinerer Explosionen wenige Meter entfernt von uns. Unter einem Hausdach gibt es Rauchentwicklung und eine Stichflamme bei den Elektroleitungen. Die Feuerwehr wird gerade von einem Passanten gerufen und mittlerweile sind auch die Anwohner alarmiert und werden tätig. Wir starten mit einem skeptischen Blick auf die kleinen Flammen unsere Besichtigung der Ville Close auf den „Les Remparts“ – der massiven Stadtmauer – und blicken in die Altstadt, sowie in den Yacht- und Industriehafen. Der Ort ist der drittgrößte Fischereihafen Frankreichs, beim Thunfisch sogar Platz eins. Die Altstadt selber bietet neben dem Fischereimuseum zahlreiche Restaurants, Cafés und Souvenirläden. Der zu besichtigende echte Fischtrawler des Fischereimusems klingt interessant, aber irgendwie zieht es uns wegen der Mittagshitze weiter.

Nach der Altstadt folgt eine kurze Runde durch die “Neustadt“ mit ein paar netten Geschäften und Cafés. Mittlerweile steht die Feuerwehr mit mehreren Fahrzeugen am Brandherd, scheint wohl doch was Größeres zu sein. Wir sitzen zügig auf und es geht weiter nach Pont-Aven. Pont-Aven ist ein idyllisches Künstlerdorf, wo unter anderem Paul Gauguin in der “Schule von Pont-Aven“ tätig war. Wir laufen die urige Xavier-Grall-Promenade am kleinen Bach Aven entlang und finden, das war es auch schon. Außerdem ist es heiß und wir möchten gerne was essen, aber was sollen wir sagen: es ist kurz nach 14:00 und die Restaurants, Bistros, Cafés machen ihre Küche gerade zu. Die Laune befindet sich stark im Sinkflug 🙄.

Wir fahren unspektakulär bis nach Auray ins Ibis Budget, aber bis dahin durch spektakulär viele Kreisel. Kreiselfahren ist eine tägliche Konstante und wir können mittlerweile quasi während der Kreiselfahrt 360 Grad blicken (das ist speziell in den mehrspurigen Kreiseln manchmal angebracht). Generell erscheint es uns, als ob die Bretonen nicht ganz so defensiv fahren, wie die Verkehrsteilnehmer in der Normandie. Es wird etwas mehr gedrängelt, aber insgesamt fährt es sich immer noch sehr entspannt als Motorradfahrer auf Frankreichs Straßen.

Schnell wird geduscht und ins fußläufig erreichbare Restaurant gehüpft. Als Aperitif gibt es einen Kir Breton – einen Cidre mit Cassis oder anderem Fruchtlikör. Lecker! SL freut sich auf die vegetarische Pasta, die dann so daherkommt.

Wiederholt haben wir auch hier den Eindruck, dass vegetarisch essen nicht „Essen wie Gott in Frankreich“ ist. SB lässt sich von der trockenen Pasta nicht irritieren, denn es gibt Tarte au Citron mit Lemoncurd – zumindest die Süßmäuler kommen auf ihre Kosten.